Ersthelfer vor Ort

Ersthelfer vor Ort – Schnelle Hilfe, wenn jede Minute zählt

Bei einem medizinischen Notfall kann schnelle Hilfe entscheidend sein. Besonders bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute: Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes können wertvolle Minuten vergehen, in denen sofortige Erste Hilfe und insbesondere eine frühzeitige Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) lebensrettend sein können.

Genau hier setzt das Konzept der Ersthelfer vor Ort (EvO) an. Speziell ausgebildete Feuerwehrangehörige überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des regulären Rettungsdienstes. Sie leisten qualifizierte Erste Hilfe, beginnen bei Bedarf mit Wiederbelebungsmaßnahmen und können durch den Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED) bereits frühzeitig eine lebensrettende Behandlung einleiten.

Eine Idee mit langer Tradition in Cronenberg

Die Idee der Ersthelfer vor Ort entstand in den USA und fand gegen Ende der 1980er-Jahre auch in Deutschland zunehmend Verbreitung. Erste Pilotprojekte zeigten, welchen wichtigen Beitrag örtlich verfügbare und speziell geschulte Helfer zur Notfallversorgung leisten können.

In Wuppertal wurde das System 1995 erstmals bei den Löschzügen Walbrecken und Cronenberg eingeführt. Seitdem engagieren sich in Cronenberg speziell ausgebildete Feuerwehrangehörige für die schnelle medizinische Erstversorgung im Stadtteil. Rund 15 Helfer standen nach dem ursprünglichen Konzept zur Verfügung.

Warum Ersthelfer vor Ort so wichtig sind

Für die rettungsdienstliche Versorgung in Wuppertal ist die Berufsfeuerwehr verantwortlich. Darüber hinaus sind die Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und Malteser Hilfsdienst (MHD) in den Rettungsdienst und Krankentransport eingebunden.

Für Cronenberg befinden sich auf der Rettungswache Süd an der Theishahner Straße Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug. Sind diese Rettungsmittel bereits anderweitig im Einsatz, müssen weitere Fahrzeuge aus anderen Stadtteilen anfahren. Aufgrund der geografischen Lage Cronenbergs kann sich die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes dadurch erheblich verlängern.

Die Ersthelfer vor Ort sollen genau diese Zeit überbrücken. Sie werden bei bestimmten Notfallbildern zusätzlich zum Rettungsdienst alarmiert und können aufgrund ihrer örtlichen Nähe häufig bereits nach wenigen Minuten mit der Versorgung beginnen.

Alarmierung und Einsatzablauf

Die Alarmierung erfolgt über die Leitstelle der Berufsfeuerwehr Wuppertal. Die Angehörigen der Ersthelfergruppe verfügen hierfür über eine entsprechende Alarmierungsmöglichkeit auf ihren digitalen Meldeempfängern.

Im Alarmfall werden die verfügbaren Helfer parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Sie begeben sich zum Feuerwehrhaus, besetzen das Ersthelferfahrzeug und fahren gemeinsam zur Einsatzstelle. Je nach Verfügbarkeit rücken zwei bis vier Helfer aus.

Nach der ursprünglichen Einsatzorganisation erfolgt die Alarmierung insbesondere bei entsprechenden Notfällen, wenn die regulär für Cronenberg vorgesehenen Rettungsmittel nicht verfügbar sind. Die Ersthelfer treffen nach den bisherigen Erfahrungswerten durchschnittlich etwa fünf Minuten nach der Alarmierung an der Einsatzstelle ein.

Das Einsatzspektrum ist vielfältig. Es reicht von akuten Kreislaufproblemen und Verletzungen über internistische und chirurgische Notfälle bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen, bei denen eine sofortige Wiederbelebung erforderlich ist.

Ausbildung und Qualifikation

Die medizinische Erstversorgung stellt hohe Anforderungen an Wissen, Können und Verantwortungsbewusstsein. Deshalb verfügen die Cronenberger Ersthelfer über eine zusätzliche medizinische Ausbildung, die deutlich über die grundlegende Erste-Hilfe-Ausbildung der Feuerwehrangehörigen hinausgeht.

Zum ursprünglichen Ausbildungskonzept gehörten insbesondere eine Sanitätsausbildung nach den Richtlinien des Deutschen Roten Kreuzes sowie eine spezielle Ausbildung in der frühestmöglichen Defibrillation. Ergänzend bestand die Möglichkeit, praktische Erfahrungen im Rahmen eines Praktikums auf einer Rettungswache der Berufsfeuerwehr zu sammeln.

Einige Mitglieder verfügen darüber hinaus aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit über weiterführende rettungsdienstliche Qualifikationen.

Regelmäßige Fortbildungen und praktische Übungen sorgen dafür, dass die Helfer ihre Kenntnisse auffrischen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können.

Moderne Ausrüstung für eine wirksame Erstversorgung

Für die medizinische Erstversorgung steht den Helfern eine entsprechende Notfallausrüstung zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Notfallrucksäcke für die Versorgung von Erwachsenen und Kindern sowie medizinische Geräte und Verbrauchsmaterialien.

Die Ausstattung umfasst beispielsweise:

  • Verband- und Versorgungmaterial
  • Blutdruckmessgeräte und Blutzuckermessgeräte
  • Pulsoximeter zur Messung der Sauerstoffsättigung
  • Sauerstoffflaschen mit entsprechender Inhalationseinheit
  • Automatisierte externe Defibrillator (AED)
  • Weitere medizinische Ausrüstung zur Erstversorgung

Frühestmögliche Defibrillation – Wenn jede Sekunde zählt

Bereits seit März 2003 verfügen die Cronenberger Ersthelfer über einen AED. Damit können sie bei bestimmten lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, insbesondere Kammerflimmern, frühzeitig eine entscheidende Behandlungsmaßnahme einleiten.

Bei einem Kammerflimmern ziehen sich die Herzmuskelzellen unkoordiniert zusammen. Das Herz kann dadurch keine ausreichende Pumpleistung mehr erbringen. Der Blutkreislauf bricht zusammen. Ohne sofortige Behandlung besteht akute Lebensgefahr.

Ein AED analysiert selbstständig den Herzrhythmus und erkennt, ob eine Defibrillation erforderlich ist. Falls ein entsprechender Herzrhythmus vorliegt, fordert das Gerät den Anwender zur Abgabe eines Elektroschocks auf. Dieser kann dazu beitragen, dass das Herz wieder in einen geordneten Rhythmus zurückfindet.

Die frühzeitige Defibrillation ist neben der sofortigen Herz-Lungen-Wiederbelebung ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Ein starkes Engagement für Cronenberg

Seit der Einführung im Jahr 1995 sind die Ersthelfer vor Ort ein fester Bestandteil des Löschzugs Cronenberg. Was einst mit einer neuen Idee begann, hat sich zu einer wichtigen Ergänzung der rettungsdienstlichen Versorgung im Stadtteil entwickelt.

Die Zahl der Einsätze ist im Laufe der Jahre deutlich gestiegen. Während anfangs etwa 30 Einsätze jährlich zu bewältigen waren, lag das Aufkommen zuletzt bei rund 100 Einsätzen pro Jahr. Jeder Einsatz wird dokumentiert. Die Protokollierung orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Als Einsatzfahrzeug steht den Ersthelfern ein speziell ausgestatteter VW Caddy zur Verfügung, der neben der medizinischen Ausrüstung Platz für bis zu vier Einsatzkräfte bietet.

Unser Anspruch ist einfach: Wir möchten dort helfen, wo schnelle medizinische Unterstützung gebraucht wird. Denn bis der Rettungsdienst eintrifft, können wenige Minuten den entscheidenden Unterschied machen.

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